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Politik

USA beharren auf Optionen für Grönland

Lukas Fischer
Zuletzt aktualisiert: January 7, 2026 17:40
Lukas Fischer
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Washington hält an Besitzansprüchen fest

Die US-Regierung hält trotz massiver Kritik europäischer Verbündeter an ihrem Anspruch auf Grönland fest und lässt dabei unterschiedliche Szenarien offen. Während aus dem Weißen Haus erneut auch militärische Mittel als theoretische Möglichkeit genannt wurden, betonen andere Regierungsvertreter, dass Washington weiterhin vorrangig auf diplomatische und vertragliche Lösungen setze. Die Debatte sorgt innerhalb der NATO und in Europa für erhebliche Irritationen.

Die Sprecherin von US-Präsident Donald Trump, Karoline Leavitt, erklärte, der Präsident und sein Team prüften „eine Reihe von Optionen“, um das strategische Ziel zu erreichen. Wörtlich sagte sie: „Selbstverständlich steht dem Oberbefehlshaber der Einsatz des US-Militärs jederzeit als Option zur Verfügung.“ Diese Aussage löste umgehend Besorgnis bei Partnerstaaten aus.

Einfluss der Ereignisse in Venezuela

Nach Angaben aus dem Weißen Haus fühlt sich Donald Trump durch die jüngste Gefangennahme und Entmachtung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro bestärkt. Ziel sei es, die amerikanische Dominanz in der westlichen Hemisphäre langfristig zu sichern. Beobachter sehen darin eine neue Härte in der außenpolitischen Rhetorik der USA, die nun auch auf andere Regionen ausstrahlt.

Die britische Zeitung Times kommentierte die Entwicklung kritisch und stellte klar: „Grönland ist nicht Venezuela.“ Der Sturz eines autoritären Machthabers sei nicht mit der Infragestellung der Souveränität eines demokratischen NATO-Partners vergleichbar. Die Zeitung schrieb weiter: „Die Trump-Regierung hat kein Recht, ihre Ambitionen mit Gewalt oder der Androhung von Gewalt durchzusetzen.“

Diplomatie oder Deal im Vordergrund

Trotz der scharfen Töne aus dem Umfeld des Präsidenten betonen andere US-Vertreter, dass wirtschaftliche und vertragliche Lösungen im Mittelpunkt stehen. Ein hochrangiger Beamter erklärte, es würden mehrere Wege diskutiert, darunter ein direkter Kauf von Dänemark oder ein sogenanntes Compact of Free Association (COFA), ein Assoziierungsabkommen, wie es die USA bereits mit anderen Territorien geschlossen haben.

Der Beamte sagte dazu wörtlich: „Diplomatie ist immer die erste Option des Präsidenten. Er liebt Geschäfte.“ Diese Einschätzung wurde durch Aussagen von US-Außenminister Marco Rubio gestützt, der zugleich als Nationaler Sicherheitsberater fungiert. In einer vertraulichen Sitzung mit Abgeordneten habe Rubio klargestellt, dass die jüngsten Drohungen keine konkrete Invasionsabsicht signalisierten. Ziel sei weiterhin ein Erwerb Grönlands auf vertraglichem Weg.

Säbelrasseln als Verhandlungsinstrument

Medienberichte aus den USA deuten darauf hin, dass Donald Trump seine Mitarbeiter erneut aufgefordert habe, einen aktualisierten Plan für einen möglichen Erwerb der Insel vorzulegen. Bereits während seiner ersten Amtszeit hatte der Präsident ähnliche Überlegungen öffentlich gemacht.

Das Wall Street Journal wertete die Rhetorik als taktisches Manöver und schrieb: „Die Invasionsrhetorik ist vermutlich Trumpsches Säbelrasseln, um Verhandlungen anzustoßen.“ Gleichzeitig warnte das Blatt, selbst Andeutungen militärischer Gewalt schadeten den strategischen Interessen der USA sowohl in Europa als auch innerhalb der NATO.

Klare Ablehnung aus Europa

Dänemark reagierte entschieden auf die Aussagen aus Washington. Ministerpräsidentin Mette Frederiksen erklärte unmissverständlich: „Wenn die USA ein anderes NATO-Land angreifen, dann hört alles auf.“ Ein solcher Schritt würde nach ihrer Einschätzung das westliche Verteidigungsbündnis und die seit dem Zweiten Weltkrieg bestehende Sicherheitsordnung zerstören.

In einer gemeinsamen Erklärung machten Dänemark, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Polen und Spanien deutlich, dass Grönland nicht verhandelbar sei. Wörtlich hieß es: „Es ist allein Sache Dänemarks und Grönlands, über Angelegenheiten zu entscheiden, die Dänemark und Grönland betreffen.“ Auch die Regierung in Nuuk, der Hauptstadt Grönlands, wies die Begehrlichkeiten der USA zurück. Auf der Insel leben rund 57.000 Menschen.

Kritische Stimmen im US-Kongress

Auch innerhalb der Vereinigten Staaten regt sich Widerstand. Die demokratische Senatorin Jeanne Shaheen und ihr republikanischer Kollege Thom Tillis, beide Mitglieder des Auswärtigen Ausschusses, mahnten, Washington müsse die Souveränität Dänemarks respektieren. Sollten Dänemark und Grönland klarstellen, dass die Insel nicht zum Verkauf stehe, seien die USA verpflichtet, ihre internationalen Zusagen einzuhalten.

Strategische Bedeutung der Arktis

Donald Trump begründet seinen Anspruch immer wieder mit sicherheitspolitischen Argumenten. Entlang der grönländischen Küsten beobachte man russische und chinesische Aktivitäten. Es gehe nicht um Rohstoffe, betont der Präsident, sondern um nationale Sicherheit.

Tatsächlich gewinnt die Arktis durch den Klimawandel zunehmend an Bedeutung. Schmelzendes Eis eröffnet neue Seewege für zivile und militärische Schifffahrt. Zudem werden in Grönland Vorkommen strategisch wichtiger Mineralien vermutet, darunter Seltene Erden, die für E-Autos, Windkraftanlagen, Computer und andere Hochtechnologien unverzichtbar sind.

US-Militär bereits präsent

Die USA verfügen bereits über weitreichende Nutzungsrechte auf Grönland. Grundlage ist ein Verteidigungsabkommen von 1951, das dem US-Militär unter anderem den Betrieb eines Stützpunkts in Pituffik, rund 1.500 Kilometer nördlich von Nuuk, erlaubt. Dort sind Raketenwarnsysteme stationiert, zudem dient der Standort der Raketenabwehr und der Weltraumüberwachung.Grönland war bis 1953 eine Kolonie Dänemarks, erhielt ab 1979 schrittweise mehr Selbstverwaltungsrechte und ist heute weitgehend autonom. Außen- und Verteidigungspolitik liegen weiterhin in dänischer Verantwortung. Über das Königreich Dänemark ist Grönland zugleich Teil der NATO.

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