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Politik

US-Sanktionen gegen Russland lassen Ölpreise stark ansteigen

Lukas Fischer
Zuletzt aktualisiert: October 23, 2025 16:21
Lukas Fischer
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Brentöl klettert auf 66 Dollar – Märkte reagieren nervös

Der Ölmarkt steht erneut unter Druck. Nach den jüngsten US-Sanktionen gegen die russischen Energiekonzerne Lukoil und Rosneft sind die Ölpreise sprunghaft angestiegen. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Sorte Brent überschritt zeitweise die Marke von 66 US-Dollar, ein Plus von mehr als fünf Prozent. Auch die US-Sorte WTI verteuerte sich auf rund 61,50 Dollar.
Analysten der Deutschen Bank sprechen von einem der größten Tagesgewinne seit Juli. Die Börsen reagierten unmittelbar: Aktien internationaler Ölunternehmen wie BP, Shell und TotalEnergies legten um bis zu 3,6 Prozent zu.

„Die Maßnahmen kamen für die Märkte überraschend“, erklärte Börsenexperte Robert Rethfeld von Wellenreiter-Invest. Die neuen Sanktionen seien ein „Signal für eine härtere geopolitische Linie“ der US-Regierung.

Trump friert russische Vermögen ein und warnt Handelspartner

Die Regierung von US-Präsident Donald Trump hat sämtliche Vermögenswerte russischer Ölkonzerne in den USA eingefroren. Amerikanische Unternehmen und Privatpersonen dürfen mit Lukoil und Rosneft keine Geschäfte mehr tätigen, sofern keine besondere Lizenz vorliegt.
Das Ziel ist klar: Russlands Öleinnahmen sollen massiv eingeschränkt werden, um die Finanzierung des Krieges gegen die Ukraine zu erschweren. Trotz zahlreicher westlicher Sanktionen war Russland bisher nach Saudi-Arabien weiterhin der zweitgrößte Ölexporteur der Welt.

Mit dem neuen Schritt wollen die Vereinigten Staaten diese Einnahmequelle nun empfindlich treffen. Trump selbst erklärte: „Wir werden nicht zusehen, wie Russland weiterhin Krieg führt, während es durch den Verkauf von Öl seine Kassen füllt.“

Indien unter Druck – Sekundärsanktionen im Gespräch

Doch die US-Sanktionen zielen nicht nur auf Russland. Auch Indien, einer der größten Abnehmer russischen Rohöls, gerät zunehmend ins Visier Washingtons. Laut Trump habe ihm Indiens Premierminister Narendra Modi telefonisch zugesichert, dass Indien „nicht viel Öl aus Russland kaufen“ werde, da er ebenfalls ein Ende des Krieges wünsche.
Im Raum stehen nun sogenannte Sekundärsanktionen – also Strafen gegen ausländische Banken oder Unternehmen, die weiterhin Geschäfte mit russischen Ölkonzernen abwickeln.

Der ehemalige US-Diplomat Edward Fishman, der einst die Iran-Sanktionen koordinierte, erklärte: „Die entscheidende Frage wird sein, ob die USA chinesische Banken, Händler aus den Emiraten oder indische Raffinerien tatsächlich ins Visier nehmen.“ Fishman erwartet kurzfristig „einen deutlichen Rückgang der russischen Ölexporte nach Indien“.

Indische Raffinerien prüfen ihre Russland-Geschäfte

Die Reaktionen in Indien lassen nicht auf sich warten. Mehrere staatliche Ölgesellschaften wie Indian Oil Corp, Bharat Petroleum und Hindustan Petroleum überprüfen laut Branchenkreisen derzeit ihre Lieferverträge für russisches Öl, um sicherzustellen, dass sie keine direkten Käufe von Rosneft oder Lukoil tätigen.
Das größte private Energieunternehmen des Landes, Reliance Industries, erwägt laut Insidern sogar einen vollständigen Importstopp für russisches Öl. Dennoch gehen Experten davon aus, dass weiterhin kleinere Mengen über Zwischenhändler und Schattenflotten auf den Markt gelangen werden.

Die Unsicherheit zeigt sich auch an den indischen Häfen: Mehrere Tanker mit russischem Öl sollen vorübergehend nicht entladen worden sein, bis rechtliche Risiken geklärt sind.

Russisches Öl dominiert weiter den asiatischen Markt

Indien hat sich in den vergangenen zwei Jahren zu einem zentralen Abnehmer russischen Öls entwickelt. Während vor dem Krieg kaum nennenswerte Mengen aus Russland importiert wurden, stammen heute etwa 38 Prozent der russischen Ölexporte aus Geschäften mit Indien. Nur China bezieht mit rund 47 Prozent noch mehr Rohöl aus Russland.
Seit Dezember 2022 flossen laut dem Forschungsinstitut CREA täglich etwa 1,7 Millionen Barrel russisches Öl nach Indien – ein Großteil davon über die sogenannte „Schattenflotte“, die Sanktionen umgeht.

Diese Entwicklung war Trump schon länger ein Dorn im Auge. Bereits im August hatte er als Reaktion Strafzölle von 50 Prozent auf die meisten indischen Importe in die USA verhängt. „Wer Putins Krieg finanziert, muss mit Konsequenzen rechnen“, warnte er damals.

EU folgt mit eigenem Sanktionspaket

Parallel zu den US-Maßnahmen hat auch die Europäische Union ein neues Sanktionspaket beschlossen. Ab dem kommenden Jahr soll der Import von russischem Flüssiggas (LNG) vollständig verboten werden. Damit will Brüssel die Einnahmen Moskaus weiter reduzieren.
EU-Diplomaten sprechen von einem „koordinierten Vorgehen“, um den wirtschaftlichen Druck auf Russland zu erhöhen. In Kombination mit den US-Sanktionen sei dies der schärfste Eingriff in den globalen Öl- und Energiemarkt seit Jahren.Die Folgen zeigen sich sofort: Die Ölpreise steigen, die Nervosität an den Finanzmärkten wächst – und für Verbraucher weltweit drohen erneut höhere Energie- und Heizkosten.

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