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Deutschland

Telekom startet Milliardenprojekt mit Nvidia in München

Annika Schneider-Lindemann
Zuletzt aktualisiert: November 4, 2025 16:22
Annika Schneider-Lindemann
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Neuer Technologie-Meilenstein für Deutschland

Die Deutsche Telekom wagt den größten Technologiesprung ihrer Geschichte. Gemeinsam mit dem US-Chipkonzern Nvidia entsteht in München eine KI-Fabrik für mehr als eine Milliarde Euro. Ziel ist es, Deutschland als führenden Standort für Künstliche Intelligenz (KI) zu positionieren und die Abhängigkeit von ausländischen Anbietern zu verringern.

Telekom-Chef Timotheus Höttges betonte bei der Präsentation in Berlin die Tragweite des Projekts: „Ohne KI kann man die Industrie vergessen. Ohne KI kann man den Standort Deutschland vergessen.“ Der Manager verwies darauf, dass derzeit nur fünf Prozent der weltweiten KI-Hochleistungs-Chips in Europa genutzt werden, während 70 Prozent in den USA installiert sind. Das Münchner Rechenzentrum soll nun ein Gegengewicht schaffen.

Datenhoheit bleibt in Europa

Die neue KI-Cloud wird vollständig in Deutschland betrieben. Alle Daten sollen im Land verbleiben, verwaltet von europäischen Mitarbeitern. „Damit gibt es keine Ausreden mehr, KI nicht einzusetzen,“ so Höttges. Die Infrastruktur wird aus deutscher und amerikanischer Technologie aufgebaut und richtet sich gezielt an europäische Unternehmen, die beim Thema Datensicherheit auf höchste Standards bestehen.

Die Telekom betreibt bereits über 180 Rechenzentren weltweit, vor allem für Cloud-Dienste. Das neue Projekt markiert jedoch den Beginn einer zweiten Säule im Kerngeschäft, das künftig stark auf KI-gestützte Industrieanwendungen ausgerichtet sein soll.

Politik feiert Signal für den Standort Deutschland

Bundesdigitalminister Karsten Wildberger (CDU) sprach von einem „großen Tag für Deutschland und Europa“. Mit der Investition beginne ein neues Kapitel der industriellen Transformation: „Wir feiern eine Investition mit Signalwirkung – mehr als eine Milliarde Euro für eine der modernsten KI-Fabriken der Welt.“

Auch Bayerns Wissenschaftsminister Markus Blume hob die Bedeutung des Projekts hervor: „Der nächste Schritt der industriellen Revolution findet bei uns in Bayern statt. Der wertvollste Netzbetreiber Europas und der Weltmarktführer für KI-Chips machen gemeinsame Sache.“ Blume bezeichnete München als den Ort, „an dem Zukunft erdacht und gemacht wird.“

Nvidia sieht Beginn einer neuen Ära

Nvidia-Gründer Jensen Huang erinnerte in seiner Rede an die Ursprünge der Industrie 4.0 in Deutschland. „Mit KI schaffen wir nun eine Superversion davon – die industrielle KI. Das ist eine neue Ära der Produktivität.“
Nvidia gilt als Weltmarktführer für Hochleistungsprozessoren, die für das Training und die Anwendung von KI-Modellen unverzichtbar sind. Der Konzern liefert auch die 10.000 GPUs, die das neue Münchner Zentrum antreiben sollen.

Die Fabrik im Tucherpark München bildet den Auftakt einer breiter angelegten KI-Strategie der Telekom. Langfristig strebt das Unternehmen an, Teil einer von der EU geförderten Initiative für sogenannte AI-Gigafactories zu werden – Großrechenzentren mit mehr als 100.000 KI-Prozessoren.

Wettbewerb um Europas KI-Gigafactorys

Brüssel plant, vier bis fünf solcher Anlagen zu fördern, um europäische Unabhängigkeit in der Datenverarbeitung zu stärken. Neben der Telekom haben sich auch die Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland), Ionos und weitere Konsortien beworben. Bundesforschungsministerin Dorothee Bär betonte, dass mindestens eine dieser Großfabriken in Deutschland entstehen müsse.

Das Münchner Projekt soll den Anfang machen. Die Telekom hat sich dabei ehrgeizige Ziele gesetzt: Bis 2026 soll das Zentrum betriebsbereit sein und als Modell für weitere europäische Standorte dienen.

Industriepartner setzen auf deutsche KI-Infrastruktur

Zu den ersten Kunden der Münchner KI-Fabrik zählen Agile Robots, ein führendes Unternehmen für Robotik und Automatisierung, sowie SAP, die Deutsche Bank und der KI-Anbieter Perplexity. Damit soll ein Ökosystem entstehen, das Forschung, Industrie und Finanzsektor miteinander verbindet.

Telekom-Chef Höttges erklärte: „Wir schaffen die Infrastruktur, die Europas Industrie in die Zukunft trägt.“ Die Kombination aus Rechenleistung, Datensouveränität und industrieller Anwendung sei der Schlüssel, um den Rückstand gegenüber den USA und China aufzuholen.

Telekom positioniert sich neu

Mit der Milliardeninvestition entwickelt sich die Telekom von einem klassischen Telekommunikationskonzern zu einem Technologieanbieter im globalen KI-Wettbewerb. Das Unternehmen nutzt seine Erfahrung aus dem Cloudgeschäft, um künftig KI-Dienste für Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Behörden bereitzustellen.Analysten sehen darin eine strategische Neuausrichtung: Die Telekom baut nicht nur Netze – sie will auch das Rückgrat der digitalen Industrie liefern. Die Münchner KI-Fabrik ist der erste Schritt, um Europa auf dem Weg in das Zeitalter der industriellen Künstlichen Intelligenz an die Spitze zu führen.

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