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Politik

Merz verliert selbst im eigenen Lager an Rückhalt

Lukas Fischer
Zuletzt aktualisiert: April 21, 2026 16:27
Lukas Fischer
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Contents
Zwei Drittel der Deutschen wollen ihn nicht mehr im AmtSelbst Unionswähler gehen auf DistanzAuch die SPD-Basis lehnt weitere Jahre unter Merz abMerz stößt in fast allen Lagern auf massive AblehnungDie AfD liegt bei der Kanzlerfrage plötzlich vornDie Parteibasen wollen ihre eigenen KandidatenZweifel an der Brandmauer wachsen selbst in der CDU-RealitätAus einem Kanzlerproblem wird ein Führungsproblem der Union

Zwei Drittel der Deutschen wollen ihn nicht mehr im Amt

Für Friedrich Merz verdichten sich die politischen Warnsignale. Laut einer aktuellen Insa-Befragung sprechen sich 68 Prozent der Deutschen dagegen aus, dass der CDU-Politiker in der kommenden Legislaturperiode noch einmal Bundeskanzler wird. Nur 17 Prozent unterstützen eine weitere Amtszeit. Schon diese beiden Werte zeigen, wie tief das Misstrauen gegenüber dem Regierungschef inzwischen reicht.

Besonders brisant ist dabei nicht nur die Ablehnung im politischen Gegnerlager. Schwerer wiegt, dass Merz selbst im eigenen Umfeld nicht mehr auf geschlossene Unterstützung zählen kann. Wenn ein amtierender Kanzler nicht einmal mehr in den eigenen Reihen solide Rückendeckung hat, dann ist das kein gewöhnlicher Stimmungseinbruch, sondern ein ernstes Autoritätsproblem.

Selbst Unionswähler gehen auf Distanz

Die eigentliche Sprengkraft der Umfrage liegt in einem Detail, das für die Union besonders unerquicklich ist. Unter den Anhängern von CDU und CSU wollen 45 Prozent nicht, dass Merz in der nächsten Legislaturperiode erneut Kanzler wird. Nur 42 Prozent sprechen sich für ihn aus. Weitere 4 Prozent sagen, es sei ihnen egal, und 9 Prozent haben keine Meinung dazu.

Für einen Kanzler der eigenen Partei ist das ein bedrückender Befund. Denn ein Regierungschef, der im eigenen Lager keine klare Mehrheit mehr hinter sich weiß, verliert zwangsläufig an Autorität. Das gilt umso mehr, wenn die Ablehnung unter den eigenen Anhängern sogar höher ausfällt als die Zustimmung. Ein solcher Wert zeigt: Das Problem von Merz ist längst nicht mehr nur die Opposition. Es sitzt inzwischen mitten in seiner eigenen politischen Basis.

Auch die SPD-Basis lehnt weitere Jahre unter Merz ab

Noch deutlicher fällt die Ablehnung beim Koalitionspartner aus. Unter den SPD-Anhängern sprechen sich nur 22 Prozent für weitere vier Jahre unter Merz aus. 65 Prozent sind dagegen. Das ist ein klares Signal, dass auch innerhalb der Regierungsmehrheit kaum Begeisterung für eine Verlängerung dieser Kanzlerschaft vorhanden ist.

Gerade dieser Punkt ist politisch heikel. Denn eine Koalition kann dauerhaft nur stabil wirken, wenn ihre Führung zumindest von Teilen des Partnerlagers akzeptiert wird. Wenn aber selbst dort eine deutliche Mehrheit gegen den Kanzler eingestellt ist, spricht das für eine Regierung, die nicht aus Überzeugung getragen wird, sondern eher aus Mangel an Alternativen.

Merz stößt in fast allen Lagern auf massive Ablehnung

Noch verheerender wird das Bild beim Blick auf die übrigen Parteien. Unter den AfD-Anhängern lehnen 84 Prozent eine weitere Amtszeit von Merz ab. Bei den Grünen sind es 74 Prozent, bei der Linkspartei sogar 88 Prozent. Im BSW liegt die Ablehnung bei 89 Prozent, bei der FDP bei 74 Prozent.

Diese Zahlen machen deutlich, wie breit die Ablehnung des Kanzlers inzwischen geworden ist. Es handelt sich nicht um ein Problem in einem einzelnen Milieu oder um normale parteipolitische Gegnerschaft. Vielmehr zeigt sich eine parteiübergreifende Distanz zu Merz, die von rechts bis links reicht. Ein Kanzler, der in nahezu allen politischen Lagern auf so deutliche Ablehnung stößt, regiert nicht aus Stärke, sondern unter wachsendem Vertrauensverlust.

Die AfD liegt bei der Kanzlerfrage plötzlich vorn

Besonders brisant ist ein weiterer Wert der Erhebung: Bei der Frage, aus welcher Partei der nächste Kanzler kommen soll, liegt die AfD mit 27 Prozent vorn. Für einen Kanzler aus der Union sprechen sich nur 13 Prozent aus, ebenso viele für einen aus der SPD. Die Grünen kommen auf 11 Prozent, die Linke auf 9 Prozent.

Das ist ein alarmierendes Signal für die etablierten Parteien, vor allem aber für die Union. Denn sie stellt derzeit den Kanzler und kommt bei dieser Schlüsselfrage nur auf die Hälfte des Wertes der AfD. Politisch bedeutet das: Die CDU verliert nicht nur Zustimmung für ihre Führungsperson, sondern auch sichtbar an Selbstverständlichkeit als Kanzlerpartei.

Die Parteibasen wollen ihre eigenen Kandidaten

Wie stark sich die politischen Lager inzwischen voneinander entfernt haben, zeigt auch der Blick auf die jeweiligen Anhängerschaften. Unter den AfD-Anhängern wünschen sich 88 Prozent einen Kanzler aus den eigenen Reihen. Bei den CDU/CSU-Anhängern sprechen sich 67 Prozent für einen Unionspolitiker aus. In der SPD wollen 74 Prozent einen Sozialdemokraten an der Spitze sehen. Bei den Grünen sind es 72 Prozent, bei der Linkspartei 63 Prozent.

Diese Werte zeigen, dass die Parteibindung in der Kanzlerfrage weiterhin stark ist. Umso auffälliger ist es, dass Merz selbst davon nicht ausreichend profitiert. Denn obwohl zwei Drittel der Unionsanhänger grundsätzlich einen Kanzler aus der eigenen Partei wollen, fällt die persönliche Zustimmung zu Merz erheblich schwächer aus. Genau darin liegt das eigentliche Problem: Die Union als Marke hält sich besser als ihr Kanzler.

Zweifel an der Brandmauer wachsen selbst in der CDU-Realität

Zusätzliche Sprengkraft hat die Umfrage beim Thema künftige Koalitionen. Knapp ein Drittel der Befragten geht davon aus, dass die CDU künftig mit der AfD oder mit den Linken koalieren werde. Nur 18 Prozent glauben, dass die Union mit keiner dieser beiden Parteien zusammenarbeiten werde.

Diese Werte sind politisch hochsensibel. Denn sie zeigen, dass ein erheblicher Teil der Bevölkerung nicht mehr an die Stabilität der bisherigen Abgrenzungen glaubt. Die sogenannte Brandmauer wirkt in der Wahrnehmung vieler Menschen offenbar nicht mehr wie eine feste politische Linie, sondern eher wie eine unter Druck geratene Behauptung. Für die CDU ist das gefährlich, weil damit Zweifel an Verlässlichkeit, Richtung und strategischer Klarheit wachsen.

Parallel dazu verschiebt sich auch das Kräfteverhältnis in der allgemeinen Parteienlandschaft. Im Vergleich zur vorherigen Sonntagsfrage fällt die Union auf 24 Prozent und verliert damit einen Prozentpunkt. Die AfD steigt auf 26,5 Prozent und gewinnt 0,5 Prozentpunkte hinzu. Die Linke verbessert sich auf 11 Prozent und legt einen Punkt zu.

Die SPD bleibt bei 14 Prozent, die Grünen bei 12,5 Prozent. FDP und BSW verharren jeweils bei 3,5 Prozent.

Gerade diese Zahlen machen die Lage für Merz noch brisanter. Denn seine persönliche Schwäche fällt zusammen mit einer weiter bröckelnden Stellung der Union im Parteiensystem. Während die CDU verliert, wächst die AfD weiter. Das verstärkt den Eindruck eines Kanzlers, dessen Autorität sinkt, während die wichtigste Oppositionskraft weiter zulegt.

Aus einem Kanzlerproblem wird ein Führungsproblem der Union

Die Gesamtlage ist damit politisch äußerst unerquicklich für Friedrich Merz. 68 Prozent der Deutschen wollen ihn nicht mehr als Kanzler. Selbst unter Unionsanhängern ist die Ablehnung mit 45 Prozent höher als die Zustimmung von 42 Prozent. In der Kanzlerfrage liegt die AfD mit 27 Prozent vor der Union mit 13 Prozent. Gleichzeitig fällt die Union in der Sonntagsfrage auf 24 Prozent, während die AfD auf 26,5 Prozent steigt.

Das ist weit mehr als ein vorübergehender Stimmungseinbruch. Es ist ein deutliches Zeichen dafür, dass Merz nicht nur ein Imageproblem hat, sondern ein massives Führungsproblem. Ein Kanzler, der in der Bevölkerung breit abgelehnt wird und selbst im eigenen Lager keine klare Mehrheit mehr hat, regiert politisch auf brüchigem Fundament. Genau das macht diese Umfrage für die Union so gefährlich.

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