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Deutschland

Industrie baut 124.000 Jobs ab – Krise vertieft sich

Annika Schneider-Lindemann
Zuletzt aktualisiert: February 17, 2026 17:54
Annika Schneider-Lindemann
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Contents
Zehn Minus-Quartale und ein schnellerer JobabbauAutoindustrie als Schwerpunkt der EinschnitteMaschinenbau verliert 18.700 Stellen – keine Branche schafft neue JobsUmsätze sinken weiter: 537 Milliarden Euro im vierten QuartalGewinner und Verlierer: Auto, Papier, Textil schwach – Metall und Elektro stabilerInsolvenzen steigen: 1.483 Pleiten bis November 2025

Zehn Minus-Quartale und ein schnellerer Jobabbau

Die Lage in der deutschen Industrie bleibt angespannt: Die Umsätze sind inzwischen zehn Quartale in Folge gesunken, gleichzeitig beschleunigt sich der Stellenabbau. Für 2025 weist eine Auswertung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY einen Rückgang um 124.000 Arbeitsplätze aus. Das entspricht einem Minus von 2,3 Prozent – und damit einem Abbau, der nahezu doppelt so stark ausfiel wie im Jahr zuvor.

Zum Jahresende waren damit noch rund 5,38 Millionen Menschen in der Industrie beschäftigt. Besonders auffällig ist der längerfristige Trend: Seit 2019 gingen insgesamt 266.200 Stellen verloren, was einem Rückgang von 4,7 Prozent entspricht. Die Daten zeichnen das Bild einer Branche, die nicht nur durch eine kurzfristige Delle läuft, sondern strukturell an Umfang verliert.

Autoindustrie als Schwerpunkt der Einschnitte

Am härtesten trifft die Entwicklung die Automobilindustrie. Allein 2025 wurden dort rund 50.000 Stellen abgebaut. Seit 2019 summiert sich das Minus auf über 111.000 Jobs. In der Beschäftigung entspricht das einem Rückgang von 13 Prozent – statistisch betrachtet ist damit jeder siebte Arbeitsplatz in der Autobranche verschwunden.

Die Dynamik lässt sich nicht allein mit normalen Konjunkturschwankungen erklären: Wenn innerhalb weniger Jahre ein derart großer Teil der Belegschaften wegfällt, deutet das auf einen tiefgreifenden Anpassungsdruck hin. Für viele Standorte bedeutet das, dass Strukturen verschlankt werden und Aufgabenfelder wegfallen, die früher als stabile Beschäftigungsbasis galten.

Maschinenbau verliert 18.700 Stellen – keine Branche schafft neue Jobs

Nicht nur Autobauer und Zulieferketten stehen unter Druck. Auch im Maschinenbau ging die Beschäftigung deutlich zurück: Binnen eines Jahres fielen rund 18.700 Arbeitsplätze weg. Bemerkenswert ist dabei ein übergreifender Befund: Neue Jobs entstanden 2025 in keiner der untersuchten Industriebranchen. Das ist ein wichtiger Unterschied zu früheren Schwächephasen, in denen zumindest einzelne Teilbereiche Personal aufbauen konnten, während andere abbauten.

Damit wird der Strukturwandel breiter sichtbar. Wenn kein Industriezweig netto wächst, verschärft sich der Wettbewerb um Investitionen, Aufträge und qualifizierte Beschäftigung – und die Anpassung erfolgt häufiger über Kostensenkungen und Personalreduktion.

Umsätze sinken weiter: 537 Milliarden Euro im vierten Quartal

Die Beschäftigungsentwicklung spiegelt sich auch in den Erlösen wider. Im vierten Quartal 2025 erwirtschafteten die Industrieunternehmen 537 Milliarden Euro – das waren 1,4 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Es war damit das zehnte Minus-Quartal in Folge. Im Gesamtjahr sanken die Umsätze um 1,1 Prozent, nachdem sie 2024 bereits um 3,4 Prozent zurückgegangen waren.

Inflationsbereinigt fällt der Rückgang besonders ins Gewicht: Für den Zeitraum 2023 bis 2025 wird ein Minus von nahezu zehn Prozent genannt. Das deutet darauf hin, dass es nicht nur um nominale Schwankungen geht, sondern um real spürbaren Substanzverlust bei Produktion und Nachfrage.

Gewinner und Verlierer: Auto, Papier, Textil schwach – Metall und Elektro stabiler

Innerhalb der Industrie verläuft die Entwicklung ungleich. Besonders schwach werden Autoindustrie, Papierindustrie und Textilindustrie beschrieben. Dagegen konnten Metallbranche und Elektroindustrie zuletzt leicht zulegen – allerdings nach teils deutlichen Einbrüchen in den Vorjahren. Diese Differenzierung ist entscheidend: Ein „leichtes Plus“ in einzelnen Bereichen reicht derzeit nicht aus, um die Gesamtindustrie zu stabilisieren, wenn große Sektoren weiter schrumpfen.

Damit entsteht ein Bild, in dem wenige Teilbereiche eine Bodenbildung versuchen, während andere weiterhin deutlich belastet sind. Für Beschäftigung und Investitionen zählt jedoch die Summe – und die zeigt bislang klar nach unten.

Insolvenzen steigen: 1.483 Pleiten bis November 2025

Zusätzlichen Druck erzeugt die steigende Zahl von Unternehmensinsolvenzen. Von Januar bis November 2025 meldeten 1.483 Industrieunternehmen Insolvenz an – das sind 11 Prozent mehr als im Vorjahr. Ein solches Niveau gab es in der Industrie zuletzt 2013. Seit 2021 hat sich die Zahl der Insolvenzen von Industrieunternehmen laut den Angaben nahezu verdoppelt.EY-Manager Jan Brorhilker ordnet die Situation deutlich ein und sagt wörtlich: „Die deutsche Industrie steckt in einer tiefen Krise.“ Außerdem wird erwartet, dass ohne einen klaren Aufschwung auch 2026 weitere Stellenstreichungen kaum zu vermeiden sein werden. Damit bleibt die zentrale Frage, ob und wann die Industriekonjunktur wieder genügend Rückenwind bekommt, um Beschäftigung zu stabilisieren.

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