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Deutschland

Firmenpleiten erreichen Höchststand – keine Entspannung

Annika Schneider-Lindemann
Zuletzt aktualisiert: January 8, 2026 18:47
Annika Schneider-Lindemann
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Insolvenzwelle erreicht Ausmaß von zwei Jahrzehnten

Die wirtschaftliche Lage vieler Unternehmen in Deutschland hat sich im vergangenen Jahr dramatisch verschärft. 17.600 Firmeninsolvenzen wurden registriert – der höchste Wert seit 20 Jahren. Ökonomen sehen darin keine kurzfristige Schwächephase, sondern das Ergebnis einer langanhaltenden Stagnation. Carsten Brzeski, Chefvolkswirt einer internationalen Bank, bringt die Entwicklung auf den Punkt: „Das sind die Folgen von drei oder fünf Jahren Stagnation.“

Die Zahlen verdeutlichen, dass sich die wirtschaftlichen Probleme inzwischen tief in die Unternehmenslandschaft eingegraben haben. Besonders betroffen sind nicht nur kleine Betriebe, sondern zunehmend auch größere Firmen mit erheblicher volkswirtschaftlicher Bedeutung.

Großinsolvenzen nehmen rasant zu

Besonders alarmierend ist der Anstieg bei den großen Unternehmenspleiten. Laut einer Analyse der Unternehmensberatung Falkensteg stieg die Zahl der Insolvenzen von Firmen mit mehr als zehn Millionen Euro Jahresumsatz im Jahr 2025 um rund 25 Prozent auf 471 Fälle. Seit dem Tiefpunkt nach der Corona-Pandemie im Jahr 2021 habe sich die Zahl dieser Großinsolvenzen nahezu verdreifacht.

Studienautor Jonas Eckhardt beschreibt die Lage ungewöhnlich deutlich: „Die deutsche Wirtschaft ringt nicht mehr nur mit Kopfschmerzen – sie hat Fieber bekommen.“ Für viele Unternehmen sei die Situation existenziell.

Keine Trendwende für 2026 erwartet

Auch der Blick nach vorn bietet wenig Anlass zur Hoffnung. Für das Jahr 2026 rechnen die Experten von Falkensteg mit einem weiteren Anstieg der Großinsolvenzen um 10 bis 20 Prozent auf rund 530 Fälle. Eine rasche Erholung wird nicht erwartet.

Zur Begründung heißt es, die deutsche Wirtschaft werde „nur schleppend auf die Beine kommen“, da sich mehrere strukturelle Belastungen gleichzeitig verstärken. Dazu zählen schwindende Wettbewerbsfähigkeit, Fachkräftemangel, hohe Bürokratiekosten und zurückhaltende Investitionen. Diese Faktoren wirkten nicht isoliert, sondern überlagerten sich gegenseitig.

Industrie besonders stark unter Druck

Besonders schwer getroffen ist die verarbeitende Industrie. Überkapazitäten, sinkende Margen und hohe Transformationskosten setzen ganze Branchen unter Druck. Die Studie warnt, dass bestehende Geschäftsmodelle zunehmend an ihre Grenzen stoßen.

Zusätzlicher Wettbewerbsdruck droht aus Asien. Der für Februar angekündigte neue Fünfjahresplan Chinas, der auf technologische Eigenständigkeit abzielt, könnte den Konkurrenzkampf in Schlüsselindustrien weiter verschärfen. Betroffen sind vor allem der Maschinenbau und die Automobilindustrie, die ohnehin mit strukturellen Problemen kämpfen.

Mittelstand vor existenzieller Bewährungsprobe

Als Hauptursachen der Insolvenzwelle nennt die Studie eine Kombination aus Strukturkrisen, anhaltender Konsumzurückhaltung und geopolitischer Unsicherheit. Jonas Eckhardt warnt eindringlich: „Für viele Mittelständler ist das keine Konjunkturdelle mehr, sondern eine Überlebensfrage.“

Er geht noch weiter und beschreibt die Lage als grundlegenden Bruch: „Der zyklische Abschwung entwickelt sich zum strukturellen Kollaps.“ Staatliche Infrastrukturprogramme hätten bislang kaum messbare Entlastung gebracht.

Branchen mit besonders starkem Anstieg

Ein genauer Blick auf die Branchen zeigt deutliche Verschiebungen. Metallwarenhersteller standen 2025 mit 65 Insolvenzen erstmals an der Spitze des Negativrankings – ein Plus von mehr als 35 Prozent. Damit überholten sie die Automobilzulieferer, die mit 59 Fällen weiterhin auf hohem Niveau verharren.

Den stärksten relativen Anstieg verzeichnete jedoch die Elektrotechnikbranche: Die Zahl der Insolvenzen stieg hier um fast 77 Prozent auf 53 Fälle. Im Konsumsektor zeigte sich ein gemischtes Bild. Während die Insolvenzen im Einzelhandel um rund 10 Prozent zurückgingen, nahmen sie bei Herstellern von Nahrungs- und Konsumgütern um etwa 30 Prozent zu.

Strukturelle Probleme statt kurzfristiger Krise

Die aktuellen Daten machen deutlich, dass es sich nicht um ein vorübergehendes Tief handelt. Die deutsche Wirtschaft steht vor einer Phase tiefgreifender Anpassungen. Unternehmen, die jahrelang tragfähige Geschäftsmodelle hatten, geraten zunehmend unter Druck. Die Insolvenzzahlen spiegeln damit nicht nur wirtschaftliche Schwäche wider, sondern einen umfassenden Strukturwandel, dessen Folgen sich weiter verschärfen dürften.

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