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Europa

EU verschiebt Einführung des neuen Emissionshandels 

Elke Wagner-Braun
Zuletzt aktualisiert: November 13, 2025 15:24
Elke Wagner-Braun
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Contents
Brüssel einigt sich auf neues KlimazielVerzögerung betrifft Heizen und VerkehrMarktmechanismus für den KlimaschutzPolitischer Kompromiss auf Druck der MitgliedsstaatenAuf dem Weg zum 2040-ZielKlimaschutz zwischen Ehrgeiz und Realität

Brüssel einigt sich auf neues Klimaziel

Die Europäische Union hat ein weiteres Kapitel ihrer Klimapolitik aufgeschlagen. In Brüssel stimmte das EU-Parlament einer neuen Zielmarke zu: Die Treibhausgasemissionen sollen bis 2040 um 90 Prozent gegenüber dem Niveau von 1990 sinken. Das ehrgeizige Vorhaben gilt als entscheidender Zwischenschritt auf dem Weg zur Klimaneutralität bis 2050.

Zugleich beschlossen die Abgeordneten, den Start des neuen europäischen Emissionshandelssystems ETS2 um ein Jahr zu verschieben – ein Schritt, der Millionen Haushalte und Autofahrer betrifft. Statt 2027 soll das System nun erst ab 2028 in Kraft treten.

Verzögerung betrifft Heizen und Verkehr

Die Entscheidung hat spürbare Auswirkungen: Der ETS2 soll künftig Brennstoffe wie Heizöl, Gas und Kraftstoffe in das bestehende System der CO₂-Zertifikate einbeziehen. Diese Regelung hätte ursprünglich ab 2027 gegolten und damit Heizen, Autofahren und Transport deutlich verteuert. Durch die Verschiebung bleibt Verbrauchern ein Jahr mehr Zeit, sich auf die steigenden Kosten einzustellen.

Betroffen sind insbesondere Haushalte mit Gasheizungen sowie Fahrer von Verbrennungsmotoren. Nach Inkrafttreten des ETS2 müssen Energie- und Kraftstoffanbieter CO₂-Zertifikate kaufen, um ihre Emissionen auszugleichen. Diese Kosten werden voraussichtlich an die Verbraucher weitergegeben – was mittelfristig zu höheren Preisen beim Tanken und Heizen führen dürfte.

Marktmechanismus für den Klimaschutz

Der europäische Emissionshandel gilt als Kerninstrument der EU-Klimapolitik. Das Prinzip ist einfach: Für jede ausgestoßene Tonne CO₂ wird ein Zertifikat benötigt, dessen Gesamtmenge begrenzt ist. Je knapper diese Berechtigungen werden, desto höher steigt ihr Preis – und damit der wirtschaftliche Druck, Emissionen zu reduzieren.

Befürworter sehen darin eine marktwirtschaftlich effiziente Lösung, um Klimaziele zu erreichen, ohne auf starre Verbote oder Subventionen angewiesen zu sein. Das Ziel besteht darin, fossile Energieträger schrittweise zu verteuern, um den Umstieg auf erneuerbare Energien, Wärmepumpen und Elektromobilität attraktiver zu machen.

Ein EU-Abgeordneter aus der EVP-Fraktion erklärte: „Wir schaffen mit dem Emissionshandel einen echten Anreiz für Innovation und Investitionen in saubere Technologien.“ Kritiker hingegen warnen vor sozialen Folgen, insbesondere für Haushalte mit geringem Einkommen.

Politischer Kompromiss auf Druck der Mitgliedsstaaten

Der Kompromiss zur Verschiebung wurde auf Initiative mehrerer osteuropäischer Staaten erreicht, darunter Polen und Rumänien. Beide Länder hatten auf eine spätere Einführung gedrängt, um ihren Bürgern und Industrien mehr Zeit zur Anpassung zu geben.
Auf Vorschlag der EU-Kommission einigten sich die Minister der Mitgliedsstaaten vergangene Woche auf den neuen Zeitplan, den das Parlament nun bestätigte.

Mit der Verschiebung des ETS2 beabsichtigt Brüssel, einen sozialen Ausgleich zu schaffen. Gleichzeitig soll der Übergang zu einem klimafreundlicheren Energiesystem weiter forciert werden – allerdings mit etwas mehr zeitlichem Spielraum.

Auf dem Weg zum 2040-Ziel

Die Einigung auf die neuen Rahmenbedingungen gilt als Meilenstein für das Klimaziel der Europäischen Union. Der politische Wille, bis 2040 eine Reduktion um 90 Prozent der Emissionen zu erreichen, bleibt bestehen.
Die Abstimmung im Parlament gilt als nahezu deckungsgleich mit der Position des Rates der EU-Staaten. Beobachter erwarten daher keine größeren Hürden mehr, bevor der endgültige Gesetzestext verabschiedet wird.

Nach Angaben aus Parlamentskreisen soll der finale Beschluss bis Anfang 2026 vorliegen. Danach beginnt die Vorbereitung der nationalen Umsetzungspläne, die die Mitgliedsstaaten jeweils an ihre spezifischen Energiestrukturen anpassen müssen.

Klimaschutz zwischen Ehrgeiz und Realität

Die Verschiebung des ETS2 zeigt, dass selbst ambitionierte Klimaziele in Europa mit politischem Pragmatismus abgewogen werden müssen. Während Umweltschützer die Entscheidung als Rückschritt kritisieren, sehen viele Abgeordnete darin einen notwendigen Schritt zur gesellschaftlichen Akzeptanz der Klimapolitik.
„Wer die Menschen mitnimmt, erzielt am Ende mehr Klimaschutz“, hieß es aus Kreisen der Europäischen Kommission.

Mit der neuen Regelung verschiebt sich der Beginn des Kostendrucks – nicht aber die Richtung der Politik. Europa bleibt auf dem Weg zur Dekarbonisierung, nur mit einer etwas längeren Anlaufphase.

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