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Umwelt

EU rückt vom geplanten Verbrenner-Aus ab

Lukas Fischer
Zuletzt aktualisiert: December 11, 2025 20:36
Lukas Fischer
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Contents
Kommission arbeitet an deutlich abgeschwächter KlimavorgabeVerbrennungsmotor bleibt grundsätzlich erlaubtHintergrund: Industrie- und Staatenlobby erhöhten den DruckKommission legt nächste Woche konkrete Maßnahmen vorAuswirkungen auf den europäischen FahrzeugmarktPolitische Signalwirkung für die gesamte EU

Kommission arbeitet an deutlich abgeschwächter Klimavorgabe

Die Debatte um das ursprünglich vorgesehene vollständige Aus für Verbrennungsmotoren ab 2035 erhält eine überraschende Wendung. Nach Angaben des EVP-Fraktionschefs Manfred Weber hat sich die EU-Kommission intern auf eine grundlegend neue Linie verständigt. Statt einer vollständigen Emissionsfreiheit soll für Neuwagen künftig lediglich eine 90-prozentige CO₂-Reduktion verpflichtend sein.

Weber erklärte gegenüber der Presse: „Bei Neuzulassungen ab 2035 soll nun statt 100 Prozent eine 90-prozentige Reduktion des CO₂-Ausstoßes gelten.“ Auch für das Jahr 2040 werde die Marke von 100 Prozent nicht mehr angestrebt.

Verbrennungsmotor bleibt grundsätzlich erlaubt

Sollten sowohl das Europaparlament als auch die EU-Mitgliedstaaten diese Linie unterstützen, würde die in den vergangenen Jahren oft diskutierte vollständige Abkehr vom Verbrennungsmotor de facto nicht mehr stattfinden. Das geplante Verkaufsverbot hätte bedeutet, dass ab 2035 nur noch Fahrzeuge ohne jeglichen CO₂-Ausstoß zugelassen worden wären.

Diese Vorgabe hätte den klassischen Verbrenner praktisch unmöglich gemacht. Nun jedoch scheint sich ein politischer Kurswechsel abzuzeichnen. Weber kommentierte die Entwicklung mit den Worten: „Damit ist das Technologieverbot für den Verbrenner vom Tisch.“

Er betonte außerdem, dass damit sämtliche in Deutschland gefertigten Motoren weiterhin produziert und vermarktet werden können – ein Signal, das insbesondere für die exportorientierte Automobilindustrie von Bedeutung ist.

Hintergrund: Industrie- und Staatenlobby erhöhten den Druck

Der Kurswechsel kommt nicht aus dem Nichts. Bereits in den vergangenen Monaten hatten mehrere Mitgliedstaaten und große Automobilhersteller die EU-Kommission aufgefordert, das strikte Verbrenner-Verbot auf seine Realisierbarkeit zu prüfen. Sie verwiesen unter anderem auf unausgereifte Ladeinfrastruktur, hohe Fahrzeugkosten und die Bedeutung der bestehenden Industriearbeitsplätze.

Die Kommission kündigte daraufhin offiziell an, die Verordnung erneut zu evaluieren. Nun zeichnet sich ab, wohin diese Überprüfung führt.

Kommission legt nächste Woche konkrete Maßnahmen vor

Die Europäische Kommission plant, ihre vollständigen Reformvorschläge kommende Woche zu veröffentlichen. Neben der Neuausrichtung der Emissionsziele will die Behörde offenbar weitere Initiativen vorstellen. Dazu soll eine neue Batteriestrategie ebenso gehören wie Maßnahmen zu umweltfreundlicheren Dienstwagenflotten im öffentlichen und privaten Sektor.

Damit stellt die Kommission klar, dass sie an ambitionierten Klimazielen festhält, diese jedoch stärker technologieneutral gestalten will. Im Zentrum steht die Idee, CO₂-Einsparungen zu erreichen, ohne bestimmte Antriebstechnologien vollständig auszuschließen.

Auswirkungen auf den europäischen Fahrzeugmarkt

Ein Ende des Verbrenner-Verbots hätte tiefgreifende wirtschaftliche Folgen. Die europäische Automobilindustrie produziert weiterhin Millionen Fahrzeuge mit klassischen Motoren; ein abrupter Ausstieg hätte umfassende Umstellungen in Fertigung, Zulieferketten und Qualifikationsstrukturen erfordert. Durch die neue Regelung könnte der Übergang nun deutlich gradueller erfolgen.

Zugleich bleibt offen, in welchem Umfang alternative Kraftstoffe wie E-Fuels berücksichtigt werden. Eine 90-prozentige Reduktion eröffnet technisch die Möglichkeit, Verbrennungsmotoren mit klimaneutralen Energieträgern weiterzubetreiben.

Politische Signalwirkung für die gesamte EU

Die Entscheidung gilt bereits jetzt als eines der wichtigsten industriepolitischen Signale des Jahres. Die EU sendet damit die Botschaft, dass Klimaschutz zwar weiterhin Priorität hat, die Transformation jedoch realistisch, schrittweise und in Abstimmung mit wirtschaftlichen Kapazitäten erfolgen soll.

Wie schnell sich die nun vorgeschlagene Linie durchsetzt, hängt in den kommenden Wochen maßgeblich davon ab, ob das Europaparlament und die Mitgliedstaaten den Vorschlag unverändert unterstützen oder Nachbesserungen fordern.

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