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Wirtschaft

Dollar gerät unter Druck und der Euro rückt näher an 1,20

Annika Schneider-Lindemann
Zuletzt aktualisiert: April 14, 2026 16:55
Annika Schneider-Lindemann
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Contents
Der Greenback verliert gleich mehrere Stützen zugleichDeutsche Bank sieht neues SchwächepotenzialDie Federal Reserve bleibt stehen, andere ziehen nachUS-Verbraucher stehen stärker unter Druck als AsienDer Ölhandel bewegt sich langsam vom Dollar wegDie Deutsche Bank rät offen zum Verkauf des Dollar-IndexDer Euro nähert sich der Marke von 1,20 DollarAus vielen Einzelproblemen wird ein gefährlicher Mix

Der Greenback verliert gleich mehrere Stützen zugleich

Am Devisenmarkt mehren sich die Zeichen, dass der US-Dollar vor einer längeren Schwächephase stehen könnte. Nach Einschätzung von Marktbeobachtern sprechen mehrere Entwicklungen gleichzeitig gegen die amerikanische Währung. Besonders wichtig ist dabei, dass die jüngsten Ereignisse im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg offenbar auf einen Höhepunkt der geopolitischen Risiken hindeuten. Genau davon hatte der Dollar zuvor stark profitiert. Fällt dieser Sicherheitsbonus nun weg, verliert die Währung einen ihrer wichtigsten kurzfristigen Stützpfeiler.

Hinzu kommt ein zweiter Faktor von erheblicher Tragweite. Der Dollar galt lange auch deshalb als attraktiv, weil die Vereinigten Staaten mit ihrem Zinsniveau einen klaren Vorteil boten. Dieser Hochzinsstatus ist inzwischen deutlich weniger ausgeprägt. Wenn eine Währung weder vom Sicherheitsbedürfnis der Anleger noch von einem besonderen Zinsvorsprung getragen wird, wächst die Wahrscheinlichkeit, dass Kapital in andere Regionen und Währungen abwandert.

Deutsche Bank sieht neues Schwächepotenzial

Besonders deutlich formuliert diese Einschätzung George Saravelos von der Deutschen Bank. Er geht davon aus, dass sich der Dollar weiter abschwächen könnte. Seine Argumentation stützt sich dabei nicht auf einen einzelnen Auslöser, sondern auf ein ganzes Bündel von Belastungsfaktoren.

Aus seiner Sicht deutet die Lage darauf hin, dass der Markt das schlimmste Kriegsrisiko inzwischen hinter sich sieht. Damit sinkt die Nachfrage nach dem Dollar als Krisenwährung. Gleichzeitig fehlt der US-Währung inzwischen jener Zinsvorteil, der sie in den vergangenen Jahren besonders attraktiv gemacht hatte. Dieser doppelte Verlust an Anziehungskraft ist für den Dollar problematisch, weil er sowohl kurzfristige als auch strukturelle Gründe für eine Abschwächung liefert.

Die Federal Reserve bleibt stehen, andere ziehen nach

Ein zentraler Punkt in dieser Argumentation betrifft die Geldpolitik. Nach Einschätzung von Saravelos dürfte die Federal Reserve ihre Zinsen in diesem Jahr stabil halten. Andere Zentralbanken hingegen könnten ihre Leitzinsen weiter anheben. Genau daraus ergibt sich ein verändertes Kräfteverhältnis an den Währungsmärkten.

Der Dollar profitierte lange davon, dass die Vereinigten Staaten höhere Renditen boten als viele andere Währungsräume. Wenn dieser Vorsprung schmilzt oder sogar ganz verschwindet, wird das Halten von Dollar-Anlagen weniger attraktiv. Kapital sucht sich in einem solchen Umfeld meist neue Ziele. Währungen anderer großer Volkswirtschaften können dadurch an Boden gewinnen, weil ihr Zinsumfeld vergleichsweise interessanter erscheint.

Gerade am Devisenmarkt spielt dieser Mechanismus eine entscheidende Rolle. Anleger wägen dort sehr genau ab, in welcher Währung sich das Halten von Kapital lohnt. Wenn sich die Zinslandschaft verändert, reagiert der Markt oft schnell und mit erheblichen Ausschlägen.

US-Verbraucher stehen stärker unter Druck als Asien

Hinzu kommt nach Ansicht der Deutschen Bank ein wirtschaftlicher Nachteil für die Vereinigten Staaten selbst. US-Verbraucher seien von einem größeren Einkommensverlust betroffen als die Volkswirtschaften Asiens. Dort stütze die Fiskalpolitik die Wirtschaft stärker. Auch dieser Unterschied hat unmittelbare Folgen für den Währungsmarkt.

Denn wenn Haushalte in den Vereinigten Staaten stärker unter Kaufkraftverlusten leiden, belastet das den privaten Konsum und damit einen zentralen Pfeiler der amerikanischen Wirtschaft. Gleichzeitig profitieren asiatische Länder davon, dass der Staat dort stärker unterstützend eingreift. Das verschiebt das wirtschaftliche Kräftefeld. Für den Dollar ist das unerquicklich, weil eine Währung langfristig immer auch vom Vertrauen in die wirtschaftliche Widerstandskraft ihres Heimatmarktes lebt.

Der Ölhandel bewegt sich langsam vom Dollar weg

Ein weiterer Punkt wiegt besonders schwer, weil er über kurzfristige Marktbewegungen hinausweist. Laut Saravelos ist eine Verlagerung hin zum chinesischen Yuan zu beobachten, wenn es um die Bewertung und den Handel von Öl geht. Das ist strategisch bedeutsam. Denn der Dollar verdankt einen Teil seiner globalen Dominanz auch der Tatsache, dass Rohstoffe, vor allem Öl, traditionell in Dollar fakturiert und gehandelt werden.

Wenn sich hier eine schrittweise Verschiebung abzeichnet, dann wäre das keine normale Schwankung, sondern ein möglicher Machtverlust im Kernbereich der internationalen Währungsordnung. Noch handelt es sich nicht um einen abrupten Umsturz, aber schon die Tendenz ist für den Dollar hochrelevant. Je mehr große Handelsströme nicht mehr selbstverständlich über den Greenback laufen, desto schwächer wird dessen Sonderstellung.

Die Deutsche Bank rät offen zum Verkauf des Dollar-Index

Saravelos formuliert daraus eine klare Handlungsempfehlung. Wörtlich sagt er: „Wir empfehlen den Verkauf des DXY-Dollar-Index in Erwartung einer breit angelegten Dollarschwäche auf neue Zyklustiefs und eines eventuellen Durchbruchs des Euro über 1,20 US-Dollar.“

Das ist eine bemerkenswert deutliche Aussage. Denn hier wird nicht bloß vorsichtige Schwäche angedeutet, sondern eine breitere und tiefere Abwertung des Dollar in Aussicht gestellt. Besonders auffällig ist der Verweis auf neue Zyklustiefs. Gemeint ist damit, dass die US-Währung nicht nur weiter nachgeben, sondern auf neue Tiefstände im laufenden Marktzyklus fallen könnte.

Der Euro nähert sich der Marke von 1,20 Dollar

Die jüngsten Kursbewegungen passen bereits in dieses Bild. Der DXY-Dollar-Index verlor 0,3 Prozent und fiel auf 98,058 Punkte. Gleichzeitig legte der Euro um 0,3 Prozent zu und stieg auf 1,1797 US-Dollar.

Gerade dieser Euro-Kurs ist bemerkenswert. Die Marke von 1,20 US-Dollar rückt damit sichtbar näher. Psychologisch ist das eine wichtige Schwelle. Wird sie erreicht oder sogar überschritten, wäre das ein deutliches Signal dafür, dass der Markt die Dollar-Schwäche nicht mehr als vorübergehende Korrektur, sondern als ernsthaften Trend interpretiert.

Aus vielen Einzelproblemen wird ein gefährlicher Mix

Die Dollar-Schwäche speist sich damit aus mehreren Quellen zugleich. Die Kriegsangst im Iran verliert an Schärfe, der Sicherheitsbonus des Dollar schmilzt. Die Federal Reserve dürfte stillhalten, während andere Zentralbanken straffer werden. US-Verbraucher geraten stärker unter Druck als Teile Asiens. Und zusätzlich zeigt sich eine schleichende Erosion der Dollar-Dominanz im Ölhandel.

Gerade diese Kombination macht die Lage für die amerikanische Währung so heikel. Ein einzelner Belastungsfaktor wäre verkraftbar. Mehrere gleichzeitige Schwächen jedoch können einen Trend beschleunigen und verfestigen. Genau deshalb rückt nun die Frage in den Vordergrund, ob der Dollar nicht nur vor einer vorübergehenden Abkühlung steht, sondern vor einer breiteren Neuabwertung.

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