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Deutschland

Deutscher Automarkt im Umbruch – Verband warnt vor Jobkrise

Annika Schneider-Lindemann
Zuletzt aktualisiert: October 22, 2025 15:34
Annika Schneider-Lindemann
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VDA meldet massiven Arbeitsplatzverlust seit 2019

Die deutsche Automobilindustrie steckt in einer tiefen strukturellen Krise. Seit dem Jahr 2019 gingen nach Angaben des Verbands der Automobilindustrie (VDA) rund 120.000 Arbeitsplätze verloren – ein Rückgang um 14 Prozent innerhalb von sechs Jahren. Besonders stark betroffen ist die Zulieferindustrie, deren Beschäftigtenzahl um 24 Prozent sank. Damit arbeiten derzeit nur noch etwa 716.000 Menschen direkt in der Branche.
„Diese Entwicklung ist alarmierend“, sagte VDA-Chefökonom Manuel Kallweit beim Automotive Forum in Zwickau, wo sich rund 300 Fachleute aus Politik und Wirtschaft versammelten. Eine nachhaltige Trendwende sei nicht erkennbar, warnte er weiter.

Zulieferer leiden unter Auftragsflaute und Bürokratie

Laut einer aktuellen VDA-Umfrage stehen viele Zulieferbetriebe unter erheblichem wirtschaftlichem Druck. Neben einem deutlichen Auftragsrückgang klagen die Unternehmen über zu hohe bürokratische Hürden und unklare politische Rahmenbedingungen. Der Verband spricht vom niedrigsten Auftragseingang seit der Corona-Pandemie.
An dritter Stelle folgen volatiles Kundenverhalten sowie steigende Steuer- und Abgabenlasten. Erst danach nennen die befragten Betriebe die Energiekosten als Belastungsfaktor. Viele Zulieferer seien gezwungen, neue Geschäftsfelder zu erschließen, um langfristig bestehen zu können.

„Wir müssen neue Wege gehen – etwa durch Recycling von Fahrzeugkomponenten oder den Einstieg in Sicherheits- und Verteidigungstechnik“, sagte ein Teilnehmer der Branchenkonferenz. Themen wie autonomes Fahren, Digitalisierung und Nachhaltigkeit stünden zunehmend im Mittelpunkt der strategischen Neuausrichtung.

Produktion stabilisiert sich dank Elektromobilität

Trotz der schwierigen Lage sieht der VDA auch Lichtblicke. Im Vergleich zu Frankreich und Italien habe sich die Produktion in Deutschland zuletzt stabilisiert – vor allem durch den zunehmenden Anteil an Elektrofahrzeugen. Der E-Auto-Boom wirkt als Stütze in einer Phase rückläufiger Nachfrage nach klassischen Verbrennern.
„Deutschland ist mittlerweile der zweitgrößte Produktionsstandort für Elektroautos weltweit, nur China liegt vor uns“, erklärte Kallweit. Damit produziert die deutsche Industrie mehr Elektrofahrzeuge als die USA, Japan oder Südkorea. Der Erfolg zeigt, dass sich die milliardenschweren Investitionen der vergangenen Jahre in neue Antriebstechnologien allmählich auszahlen.

Sachsen als Zentrum der E-Mobilität

Besonders im Freistaat Sachsen entwickelt sich die Elektromobilität zu einem wirtschaftlichen Schwerpunkt. Nach Einschätzung des VDA zählt das Bundesland zu den Top Ten der globalen Produktionsstandorte für Elektrofahrzeuge.
Die Volkswagen-Fabrik in Zwickau gilt als Pionier im Konzern bei der Umstellung auf Elektromodelle. Dennoch ist die Auslastung dort gering. Teile der Produktion sollen künftig an andere VW-Standorte abgegeben werden – ein Schritt, der in der Belegschaft für Unsicherheit sorgt.
Schon seit Monaten läuft ein schrittweiser Personalabbau, um die Kapazitäten an die sinkende Nachfrage anzupassen. „Viele Beschäftigte machen sich Sorgen um ihre Zukunft“, so Kallweit.

Forderung nach steuerlichen Anreizen für E-Autos

Die Branche fordert von der Bundesregierung, die Kfz-Steuerbefreiung für Elektrofahrzeuge zu verlängern, um den Absatz zu stabilisieren. Der VDA argumentiert, dass ein verlässlicher politischer Rahmen notwendig sei, um die Transformation erfolgreich zu gestalten.
Trotz der Skepsis vieler Verbraucher sei der langfristige Trend eindeutig positiv, betonte Dirk Vogel, Leiter des sächsischen Zuliefernetzwerks AMZ: „Diese Technologie breitet sich aus. Die Verkäufe von E-Autos werden weiter steigen.“ Gleichzeitig warnte er, dass sich die Nachfrage nach Fahrzeugen insgesamt – unabhängig vom Antrieb – weiterhin auf einem niedrigen Niveau bewege.

Industrie zwischen Fortschritt und Arbeitsplatzverlust

Die Automobilindustrie steht vor einem Balanceakt zwischen Innovation und Beschäftigung. Der Strukturwandel hin zur Elektromobilität bringt zwar neue Produktionsmethoden und Märkte, führt jedoch kurzfristig zu erheblichen Jobverlusten. Besonders die Zulieferer, die bisher auf Verbrennungstechnologien spezialisiert waren, kämpfen mit Umbrüchen und fehlenden Investitionen.
Branchenexperten fordern daher gezielte Förderprogramme, um Forschung, Qualifizierung und Transformation in mittelständischen Betrieben zu unterstützen. Ohne solche Maßnahmen drohe Deutschland, seine starke industrielle Basis in einem der wichtigsten Wirtschaftszweige Europas zu verlieren.

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