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Wirtschaft

Biontech meldet hohe Verluste und plant Stellenabbau

Annika Schneider-Lindemann
Zuletzt aktualisiert: March 10, 2025 17:09
Annika Schneider-Lindemann
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Nach Jahren beeindruckender Gewinne durch seinen Covid-19-Impfstoff steht das Biotech-Unternehmen Biontech vor neuen Herausforderungen. 2024 verzeichnete das Unternehmen einen Nettoverlust von 700 Millionen Euro – ein drastischer Rückgang nach den Rekordgewinnen der Pandemiezeit. Aufgrund der gesunkenen Nachfrage nach Corona-Impfstoffen und hoher Investitionen in die Krebsforschung wird mit weiteren Verlusten gerechnet.

Von Milliardengewinnen zu roten Zahlen

In den Jahren nach der Corona-Pandemie sind Biontechs Umsätze massiv gesunken. 2022 lag der Gewinn noch bei 9,4 Milliarden Euro, 2023 schrumpfte er auf 930 Millionen Euro. Nun meldet das Unternehmen erstmals einen Verlust, der sich auf rund 700 Millionen Euro beläuft.

Auch der Umsatzrückgang ist deutlich: Während 2023 noch 3,8 Milliarden Euro erwirtschaftet wurden, waren es 2024 nur noch 2,75 Milliarden. Für das laufende Jahr rechnet Biontech mit weiter fallenden Einnahmen zwischen 1,7 und 2,2 Milliarden Euro. Gleichzeitig plant das Unternehmen, 2,6 bis 2,8 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung zu investieren, was weitere Defizite zur Folge haben dürfte.

Börsenwert sinkt – Aktie unter 100 Euro

Die schwierige finanzielle Lage zeigt sich auch am Aktienmarkt. Der Kurs der Biontech-Aktie fiel um 3,5 Prozent auf 98 Euro, nachdem die Zahlen veröffentlicht wurden. Das Unternehmen ist an der US-Börse gelistet und gibt seine Quartalszahlen traditionell vor dem dortigen Handelsbeginn bekannt.

Stellenabbau in Marburg und Idar-Oberstein

Um auf die sinkenden Einnahmen zu reagieren, plant Biontech zwischen 950 und 1.350 Stellen abzubauen – vor allem in Europa und Nordamerika. Der Konzern beschäftigt derzeit rund 7.200 Mitarbeiter, von denen 70 Prozent erst in den letzten drei Jahren eingestellt wurden.

Besonders betroffen ist der Standort Marburg, wo die mRNA-Produktion für Covid-19-Impfstoffe während der Pandemie massiv ausgebaut wurde. Dort soll die Belegschaft von 670 auf 320 bis 420 Mitarbeiter reduziert werden. Unternehmenschef Ugur Sahin erklärte dazu: „Den Bedarf gibt es in diesem Umfang nicht mehr.“

Auch am Standort Idar-Oberstein sollen bis zu 150 von derzeit 450 Stellen wegfallen. Gleichzeitig kündigte Biontech an, dass in anderen Bereichen neue Arbeitsplätze entstehen sollen. Am Stammsitz Mainz sollen noch im laufenden Jahr etwa 350 neue Vollzeitstellen geschaffen werden.

Fokus auf die Zukunft: mRNA-Krebstherapien

Trotz der aktuellen Verluste blickt Biontech optimistisch in die Zukunft. Das Unternehmen investiert massiv in die Entwicklung von mRNA-basierten Krebstherapien. Dabei soll das Immunsystem gezielt darauf trainiert werden, Krebszellen zu erkennen und zu zerstören.

Ein besonders vielversprechender Kandidat ist BNT327, ein Wirkstoff zur Behandlung von Lungen-, Brust- und Darmkrebs. Biontech hat sich die Rechte daran durch die Übernahme des chinesischen Unternehmens Biotheus gesichert. Sechs Studien in der letzten klinischen Phase laufen derzeit, fünf davon mit BNT327.

Erste Marktzulassung für 2026 erwartet

Biontech hofft, 2026 eine erste Krebstherapie auf den Markt zu bringen. Besonders weit ist das Unternehmen bei Blasen- und Darmkrebs, wo entscheidende Studiendaten Ende 2025 oder Anfang 2026 erwartet werden.

Dennoch mahnt Firmenchef Sahin zur Vorsicht: „Auch wenn wir die Wahrscheinlichkeit für einen Erfolg als hoch einschätzen, eine Garantie gibt es nicht.“ Da die Entwicklung neuer Medikamente Jahre dauert, bleibt abzuwarten, wann und in welchem Umfang die geplanten Therapien zur Verfügung stehen.

Langfristige Perspektiven bis 2030

Biontech plant, bis 2030 mehrere Produkte auf den Markt zu bringen, betont aber, dass dies vom weiteren Verlauf der klinischen Studien abhängt. Parallel dazu wird der Konzern seine Standorte weiterentwickeln, um die Produktion von mRNA-basierten Krebs- und Infektionsimpfstoffen auszubauen.Trotz aktueller finanzieller Schwierigkeiten sieht sich Biontech langfristig auf einem guten Weg in eine neue Ära der Krebstherapie. Doch bis dahin muss das Unternehmen mit sinkenden Umsätzen und tiefgreifenden Veränderungen in der Belegschaft zurechtkommen.

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