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Deutschland

Bahn schreibt weiter tiefrote Zahlen

Annika Schneider-Lindemann
Zuletzt aktualisiert: March 27, 2026 13:51
Annika Schneider-Lindemann
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Contents
Mehr Fahrgäste, mehr Umsatz, trotzdem MilliardenminusAbschreibungen im Fernverkehr belasten die Bilanz schwerSchenker-Verkauf nimmt dem Konzern einen GewinnbringerPalla spricht von Fortschritten, bleibt aber vorsichtigPünktlichkeit bleibt das größte GlaubwürdigkeitsproblemEinige Bereiche verbessern sich, Cargo bleibt das SorgenkindMilliardeninvestitionen, aber die Geduld der Kunden wird strapaziert

Mehr Fahrgäste, mehr Umsatz, trotzdem Milliardenminus

Die Deutsche Bahn steckt wirtschaftlich weiter in einer schweren Krise. Zwar nutzten im vergangenen Jahr mehr Menschen den Konzern als zuvor, auch der Umsatz legte zu. Trotzdem stand unter dem Strich erneut ein hoher Verlust. Die Bilanz für 2025 weist ein Minus von 2,3 Milliarden Euro aus. Im Jahr davor hatte der Fehlbetrag noch bei 1,8 Milliarden Euro gelegen. Damit vergrößerte sich der Verlust um rund 500 Millionen Euro.

Diese Entwicklung ist deshalb besonders bemerkenswert, weil die Nachfrage auf der Schiene hoch bleibt. Über alle Verkehrsbereiche hinweg zählte der bundeseigene Konzern 1,93 Milliarden Fahrgäste. Das waren 3,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Allein im Regionalverkehr reisten rund 1,8 Milliarden Menschen mit der Bahn, im Fernverkehr kamen 136 Millionen Fahrgäste zusammen. Auch die Verkehrsleistung stieg um 2,7 Prozent auf rund 87 Milliarden Personenkilometer. Trotzdem reicht diese wachsende Nachfrage nicht aus, um die wirtschaftlichen Probleme des Konzerns auszugleichen.

Abschreibungen im Fernverkehr belasten die Bilanz schwer

Der wichtigste Grund für das erneute Milliardenminus liegt im Fernverkehr. Dort musste die Bahn eine Wertminderung von rund 1,4 Milliarden Euro verbuchen. Hintergrund ist die Einschätzung, dass die Sparte wegen des maroden Netzes, zahlreicher Baustellen und anhaltender Verspätungen auf längere Sicht geringere Umsätze erzielen wird als bisher erwartet.

Damit wird ein strukturelles Problem sichtbar. Die Bahn leidet nicht nur unter aktuellen Störungen, sondern unter einer Infrastruktur, deren Zustand das Geschäft auch in den kommenden Jahren belasten dürfte. Die Hoffnung auf schnelle Besserung ist gering. Bahnchefin Evelyn Palla sprach offen von einem „neuen Realismus“ und machte deutlich, dass es ungefähr zehn Jahre dauern werde, bis das Schienennetz wieder in einem guten Zustand sei.

Diese Aussage ist brisant. Sie bedeutet nichts anderes, als dass sich Fahrgäste und Unternehmen auf eine lange Phase eingeschränkter Qualität einstellen müssen. Für einen Konzern, der auf Verlässlichkeit angewiesen ist, ist das ein schwerer Befund.

Schenker-Verkauf nimmt dem Konzern einen Gewinnbringer

Erschwert wird die Lage zusätzlich durch den Verkauf der früheren Logistiktochter DB Schenker. Diese Sparte galt lange als stabiler Ertragsbringer im Konzern. Mit ihrem Wegfall fehlt der Bahn nun ein Bereich, der zuverlässig Geld verdient hat und Verluste an anderer Stelle abfedern konnte.

Zwar brachte der Verkauf viel Geld in die Kasse. Nach Angaben des Konzerns sank der Schuldenstand dadurch um 11,9 Milliarden Euro auf zuletzt 20,7 Milliarden Euro. Rechnerisch ergab sich durch den Verkauf sogar ein Jahresüberschuss von 5,3 Milliarden Euro. Doch dieser Effekt hilft nur auf den ersten Blick. Denn das Geld floss fast vollständig in den Schuldenabbau. Operativ steht die Bahn damit wirtschaftlich weiterhin unter erheblichem Druck.

Gerade darin liegt die Schwäche der Bilanz. Der Schuldenberg wurde kleiner, aber die strukturellen Probleme im laufenden Geschäft bestehen fort. Ein Konzern, der seinen wichtigsten Gewinnbringer verkauft, um seine Verbindlichkeiten zu senken, verschafft sich Luft, löst aber nicht automatisch seine Kernprobleme.

Palla spricht von Fortschritten, bleibt aber vorsichtig

Trotz des hohen Nettoverlusts verweist die Konzernführung auf erste Verbesserungen im operativen Geschäft. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern lag bei plus 297 Millionen Euro. Gegenüber dem Vorjahr ist das ein Anstieg um 630 Millionen Euro. Auch der Umsatz wuchs um drei Prozent auf rund 27 Milliarden Euro.

Evelyn Palla wertete dies als „wichtigen Schritt nach vorne“, schob jedoch sofort nach: „Zufrieden sind wir noch nicht.“ Dieser Satz beschreibt die Lage treffend. Denn die Bahn kann zwar auf einzelne Verbesserungen verweisen, von einer echten wirtschaftlichen Stabilität ist sie aber noch weit entfernt.

Seit dem 1. Oktober 2025 führt Palla den Konzern und treibt einen Umbau voran. Der Vorstand wurde von acht auf sechs Ressorts verkleinert, auch auf den Führungsebenen gab es Einschnitte. 2026 soll ganz im Zeichen des Konzernumbaus stehen, die wesentlichen Teile sollen Anfang 2027 abgeschlossen sein.

Pünktlichkeit bleibt das größte Glaubwürdigkeitsproblem

Das wohl schwerste Problem der Bahn ist jedoch nicht nur finanzieller Natur, sondern betrifft direkt den Alltag der Fahrgäste. Die Pünktlichkeit im Fernverkehr ist weiter abgestürzt. Nur 60,1 Prozent der Züge kamen 2025 pünktlich an. Im Vorjahr hatte die Quote noch 62,5 Prozent betragen.

Palla räumte die Dramatik dieser Entwicklung offen ein. „Wir sehen seit 2020 einen Abwärtstrend und haben vergangenes Jahr einen Tiefstand erreicht“, sagte sie. Und weiter: „Wir müssen diese Talfahrt stoppen.“ Bis 2029 soll die Pünktlichkeit im Fernverkehr wieder auf 70 Prozent steigen.

Doch kurzfristig ist eher mit zusätzlichen Belastungen zu rechnen. Die Bahn selbst erwartet, dass die Pünktlichkeit auch im „Super-Baujahr 2026“ unter Druck bleiben wird. Geplant sind rund 28.000 Baustellen. Gemeinsam mit dem Bund sollen in diesem Jahr mehr als 23 Milliarden Euro in die Infrastruktur fließen. Bereits 2025 investierte die Bahn nach eigenen Angaben rund 19 Milliarden Euro in das Netz, zusammen mit Bundesmitteln lagen die Bruttoinvestitionen bei etwa 22 Milliarden Euro.

Einige Bereiche verbessern sich, Cargo bleibt das Sorgenkind

Nicht alle Sparten entwickelten sich gleich schlecht. Nach Angaben der Bahn erzielten mit Ausnahme von DB Cargo alle Geschäftsfelder ein positives Betriebsergebnis. Besonders stark schnitt DB Regio ab. Dort stieg der operative Gewinn auf 191 Millionen Euro. Auch das Busgeschäft schrieb erstmals seit acht Jahren wieder schwarze Zahlen.

Im Fernverkehr spricht der Konzern von einem „Einstieg in die Sanierung“. Das operative Ergebnis verbesserte sich dort von minus 96 Millionen Euro auf plus 45 Millionen Euro. Gleichzeitig erreichten Umsatz und Verkehrsleistung ein Rekordniveau, blieben aber wegen der schlechten Infrastruktur hinter den Erwartungen zurück.

Das große Sorgenkind bleibt die Güterverkehrstochter DB Cargo. Zwar verbesserte sie ihr operatives Ergebnis um 350 Millionen Euro, verpasste die Gewinnzone aber erneut knapp. Zudem ging die transportierte Gütermenge deutlich zurück. Um die Sparte zu sanieren, plant der Konzern bis 2030 den Abbau von 6.200 Stellen.

Milliardeninvestitionen, aber die Geduld der Kunden wird strapaziert

Zusätzlich will die Bahn in diesem Jahr mehr als 140 Millionen Euro in drei Sofortprogramme stecken. Verbessert werden sollen Sauberkeit und Sicherheit an Bahnhöfen, der Komfort im Fernverkehr sowie die Kundeninformation. Für 2026 rechnet der Konzern mit einem Umsatz von rund 28 Milliarden Euro und einem operativen Ergebnis von etwa 600 Millionen Euro.

Doch die entscheidende Frage bleibt, ob die Fahrgäste diesen langen Weg mitgehen. Mehr Reisende, höhere Umsätze und Milliardeninvestitionen ändern nichts daran, dass die Bahn bei Pünktlichkeit, Infrastruktur und Verlässlichkeit in einer tiefen Vertrauenskrise steckt. Die Bilanz zeigt deshalb nicht nur rote Zahlen, sondern auch, wie groß der Abstand zwischen politischen Erwartungen, wirtschaftlicher Realität und täglicher Reiseerfahrung inzwischen geworden ist.

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